Alter Sekretär mit Charme oder höhenverstellbarer Schreibtisch?
Manche Entscheidungen im Leben sind hart. Ästhetik gegen Funktion. Atmosphäre gegen Optimierung. Unsere beiden Redakteure, Mara und Andi haben verschiedene Ansichten, was ihre Schreibtische angeht.
„Du arbeitest an einem Möbelstück.“
Mara & Andi im Redaktionschat
Mara:
Ich muss dir was zeigen.
Mein neues Homeoffice ist fertig. Weiß. Komplett weiß. Und ich arbeite jetzt an einem alten Sekretär. Den hab ich vom Flohmarkt und streiche ihn nun mit Kreidefarbe Weiß.
Andi:
Bitte sag mir, dass das ein Zweitplatz ist. Für Fotos. Für Instagram. Nicht dein echter Arbeitsplatz!
Mara:
Doch. Mein echter Arbeitsplatz, natürlich. Massivholz, leicht vergilbter Lack, kleine Messinggriffe, diese winzigen Schubladen für Briefe. Ich klappe morgens die Schreibfläche runter und abends wieder zu. Feierabend als Ritual.
Andi:
Du arbeitest also an einem Möbelstück. Nicht an einem Schreibtisch.
Mara:
Genau das ist der Punkt. Ich wollte keinen Bürotisch, kein Technik-Monument. Ich wollte etwas, das sich anfühlt wie Schreiben – nicht wie Excel.
Andi:
Und dein Rücken? Schultern? Nacken in drei Monaten?
Mara:
Ich sitze bewusster. Aufrechter. Und ich stehe öfter auf, weil ich gar nicht anders kann.
Dieser Sekretär zwingt mich zu Pausen, die ich früher vergessen habe.
Andi:
Oder er zwingt dich in die Orthopädie.
Ich verstehe den Charme von dem Teil, wirklich. Aber ich bleibe bei meinem höhenverstellbaren Schreibtisch. Knopfdruck. Hoch. Runter. Bewegung integriert.
Mara:
Dein Schreibtisch sieht aus wie ein Steuerpult.
Andi:
Er ist ein Steuerpult für meinen Körper. Bei acht Stunden am Tag will ich keine Nostalgie, sondern Durchblutung.
Mara:
Aber fühlt es sich gut an? Ich meine, nicht körperlich, sondern atmosphärisch?
Andi:
Effizient fühlt es sich an, klar, schnell, strukturiert. Und wenn ich stehe, denke ich auch plötzlich ganz anders.
Mara:
Ich denke langsamer an meinem historischen Stück und tiefer. Der Sekretär hat etwas Konzentriertes, er begrenzt die Fläche. Ich hab kein Chaos mehr, kein Ausbreiten. Nur Laptop, Notizbuch, Kaffee. Ein paar Stifte.
Andi:
Minimalismus aus Platzmangel ist auch eine Strategie. Warte mal n‘ paar Monate ab, dann regiert wieder das Chaos, nicht böse gemeint, aber so ist es doch immer.
Mara:
Minimalismus aus Intention. Ich hab mir was von den Japanern abgeguckt. Sofort immer alles wegräumen, was man genutzt hat, dann bleibt es aufgeräumt.
Andi:
Touché.
Mara:
Weißt du, was ich glaube? Wir reden gar nicht über Schreibtische. Wir reden über Arbeitsphilosophien.
Andi:
Du meinst: Schreiben als Handwerk vs. Arbeiten als System?
Mara:
Ja. Ich will morgens eine Fläche aufklappen und mich hineinsetzen. Du willst eine Kommandozentrale hochfahren.
Andi:
Ich will abends keinen Rücken haben, der klingt wie eine alte Holztreppe.
Mara:
Vielleicht brauchen wir beides. Ein Möbelstück für Gedanken. Und einen Tisch für Leistung.
Andi:
Hybrid-Modell?
Mara:
Vormittags Steuerpult.
Nachmittags Sekretär.
Andi:
Deal.
Aber nur, wenn du nach drei Monaten ehrlich berichtest.
Mara:
Und du setzt dich einen Tag an meinen Sekretär.
Andi:
Wenn ich danach wieder stehen darf.
Mara:
Abgemacht.
Worüber Mara und Andi hier diskutieren sind nicht nur zwei verschiedene Schreibtischmodelle, sondern Lebenseinstellungen und tja, auch Gefühle. Mara liebt das Ambiente ihres historisch angehauchten neuen Arbeitsplatzes. Die Optik inspiriert sie, lässt sie kreativer und tiefer denken. Auch weil sie an die Vergangenheit der Menschen erinnert wird, die noch viel mehr Zeit und Ruhe hatten. Sie wollten nicht permanent produktiv sein und funktionieren. Der Schreibtisch durfte verspielt und verschnörkelt sein, deswegen wurde trotzdem daran gearbeitet.
Andi liebt die reduzierten, funktionalen Formen und moderne Technik. Natürlich denkt er in erster Linie wäre ihm die Rückengesundheit wichtig, aber es spielt da mehr hinein. Futuristische Optik, Technik, die Schaltzentrale – er braucht genau diese Optik um produktiv zu arbeiten.
Wir sollten allgemein nicht vernachlässigen, dass unsere Arbeitsplätze eben auch so gestaltet sein sollten, dass sie uns absolut inspirieren. Was das genau ist, ist bei jedem Menschen anders. Mara kann mit einem ergonomischen Bürostuhl und viel Bewegung zwischendurch wieder ausgleichen, dass sie keinen höhenverstellbaren Schreibtisch hat.
Andi bräuchte vielleicht manchmal eine chilligere Atmosphäre um nicht ständig unter Strom zu stehen, im wahrsten Sinne des Wortes. Er ist nämlich sehr umtriebig, hat viele neue Ideen, aber auch so viel innere Unruhe, dass er nicht alles umsetzen kann. Sein Kaffeekonsum tut das übrige.
Wir können beide verstehen und schätzen ihre Arbeit, aber wenn man so darüber nachdenkt, wäre ein Arbeitsplatztausch der beiden hin und wieder vielleicht eine inspirierende Erfahrung für beide!
Hier ist ein Vorschlag für das redaktionelle Schlusswort, das die beiden Perspektiven charmant zusammenführt und den Fokus auf das Wesentliche lenkt: das individuelle Wohlbefinden.
Das Fazit der Redaktion: Kopfentscheidung vs. Herzensangelegenheit
Am Ende zeigt uns der Schlagabtausch zwischen Mara und Andi eines ganz deutlich: Es gibt im Homeoffice kein „Richtig“ oder „Falsch“, sondern nur ein „Passt zu mir“.
Während Mara in ihrem antiken Sekretär einen Ankerpunkt für ihre Kreativität findet und die klare Grenze zwischen Arbeit und Freizeit durch das Zuklappen der Schreibplatte schätzt, nutzt Andi seinen höhenverstellbaren Tisch als dynamisches Performance-Tool, das seinen Körper in Bewegung hält.
Unser Redaktions-Tipp: Ob du dich für die Seele eines Erbstücks oder die Präzision modernster Technik entscheidest – wichtig ist, dass dein Arbeitsplatz dich nicht nur funktional unterstützt, sondern auch emotional abholt. Denn am Ende des Tages ist das beste Möbelstück dasjenige, an dem du dich nicht nur produktiv, sondern schlichtweg wohlfühlst. Stil und Funktion sind eben keine Gegensätze, sondern zwei verschiedene Wege zum selben Ziel: gesundes und inspiriertes Arbeiten.
Dein Arbeitsplatz soll sich nicht „fremd“ oder wie „im Büro“ anfühlen, sondern er darf sehr persönlich und individuell gestaltet sein.


